Die hartnäckigsten Fitness- und Ernährungs-Mythen – Teil 1 und 2

Ein frohes neues Jahr an alle Leser!

Halbwissen und Fehlinterpretationen sind in den Bereichen Fitness und Ernährung sehr stark verbreitet. Leider sind es oft nicht nur Laien, die daran schuld sind, sondern durchaus auch die Trainer selbst.

Unzureichende Standards in der Ausbildung und / oder fehlende Fortbildung, um auf dem neuesten Stand zu sein, sind wohl in den meisten Fällen der Grund, manchmal ist es aber vielleicht auch ein wenig falscher Stolz, der dazu führt, lieber mit Halbwissen in einem Gebiet zu glänzen, in dem man sich nicht oder nicht so gut auskennt, anstatt an einen Spezialisten zu verweisen.

So haben sich ein paar Binsenweisheiten festgesetzt, die, obwohl lange überholt und widerlegt, noch immer munter weiterverbreitet werden.
In dieser mehrteiligen Serie möchte ich die hartnäckigsten Fitness- und Ernährungs-Mythen näher durchleuchten.
Zu Beginn gibt es gleich ein „Double Feature“, wie man neudeutsch so schön für das gute alte Doppelpack sagt.

Mythos #1 – Gute Vorsätze

Kein Mythos im eigentlichen Sinne des Wortes, aber doch ein Gespenst, das jedes Jahr wieder auftaucht und aus aktuellem Anlass besonders gut passt.
Die Fitness-Studios freuen sich zum Jahresbeginn über eine ganze Flut neuer Mitglieder, sämtliche Discounter verkaufen günstige Gymnastikbälle, Springseile und Elastikbänder, weil schließlich Jeder weiß, dass mit dem neuen Jahr endlich die Zeit für Veränderungen gekommen ist.
Der erste Januar ist ein magisches Datum. Da geht´s so richtig los. Sport machen, gesund ernähren, kein Alkohol mehr, mit dem Rauchen aufhören – all das, was man schon lange Zeit vorhat, funktioniert auf einmal.
Oder nicht?

Spätestens im März kann man sich im Studio endlich wieder bewegen, ohne anderen Trainierenden auf die Füße zu treten und Springseile & Co. verschwinden in einer Kiste unter dem Bett, im Keller oder landen direkt auf dem Müll.
Dieses Spielchen wiederholt sich Jahr für Jahr.
Albert Einstein hat einmal gesagt, dass es Wahnsinn ist, ein und dasselbe wieder und wieder zu tun, dabei aber jedes Mal ein anderes Ergebnis zu erwarten.
Warum also sind die Menschen so wahnsinnig, zu glauben, dass mit dem Beginn eines neuen Jahres plötzlich irgendetwas anders wäre, das dazu führt, dass man endlich seine Ziele erreicht?

Die Sache mit der Motivation

Im Laufe eines Jahres sammeln sich Wünsche an, für deren Erfüllung man aktuell irgendwie keine Zeit finden kann. Man will diese Dinge ja alle wirklich dringend, aber es passt halt grad nicht, also setzt man sich einen Startpunkt, an dem ein neuer Anfang gemacht wird. Traditionell ist das auch der Anfang eines neuen Jahres. Das ist sehr beruhigend, man muss zunächst nichts an seinem Leben ändern – phew, Glück gehabt – und je näher das Jahresende rückt, umso mehr freut man sich darauf, endlich seine Ziele in Angriff zu nehmen. Es baut sich eine riesige Motivation auf und man kann es kaum abwarten, dass es endlich losgeht.
Hat sich dann der Kater der Neujahrsfeier endlich wieder auf seinen Kratzbaum verzogen, gibt es kein Halten mehr: Pudding, Chips, Schokolade und Tiefkühl-Pizza werden aus der Küche verbannt, Gemüse, Obst, Naturjoghurt und Vollkornprodukte nehmen ihren Platz ein, der Vertrag in der Muckibude wird unterschrieben und schon deshalb fühlt man sich gleich viel gesünder und fitter. Man ist das einfach und unglaublich, wie schnell das geht. Zwei Wochen später meldet sich dann das erste Mal die Lust auf etwas Süßes und einen gemütlichen Abend auf dem Sofa. Nix da, das Projekt „New Year. New Body. New Life!“ ist Generalstabsmäßig durchgeplant, da ist kein Platz für sowas und so knirscht man mit den Zähnen und beißt in die mit Magerquark bestrichene Reiswaffel und schleppt sich zum Training, danach fühlt man sich schließlich wieder bestätigt.
Ein paar weitere Wochen lassen sich so überstehen, dann kommt leider was dazwischen und aus irgendeinem Grund fällt dann das Training mal aus und man hat leider auch nicht die Zeit, noch etwas Gesundes zu kochen, also wird im Vorbeigehen schnell ein Snack mitgenommen. Klar, ist nicht optimal, aber ein Mal wird man schon verkraften, morgen geht es ja gesund weiter.
Aber diese Vorfälle häufen sich und ein paar weitere Wochen später bleibt die Sporttasche im Schrank stehen und im Kühlschrank finden sich wieder die Industrienahrungsmittel ein – man muss ja das Leben auch mal genießen. Und wenn man keinen Sport macht, dann bringt doch die gesunde Ernährung auch nichts, ganz nach dem Prinzip „Alles oder Nichts“. Ohnehin hat man in den letzten vier bis sechs Wochen kaum Erfolge gesehen, es gibt eben Typen, bei denen schlägt das nicht an. Tja, zu denen gehört man dann wohl, kann man nichts machen.

Die Leute sagen oft, dass die Motivation nicht andauert. Nun, das ist mit dem Baden genauso, deshalb empfehlen wir ja, es täglich zu tun.“ – Zig Ziglar

Das Problem mit der Motivation ist, dass sie genährt werden muss, um dauerhaft vorhanden zu sein. Das geht aber nur, wenn das, was man macht, auch positive Empfindungen auslöst, sei es, weil die Aktivitäten selbst Spaß machen oder weil man von den Erfolgen so begeistert ist. Häufig wird aber nicht lang genug durchgehalten, um wirklich signifikante Erfolge wahrzunehmen. Wenn dann das Training keinen Spaß macht und das Essen auch mehr Quälerei als Genuss ist, begibt man sich in einen Teufelskreis, der das Leben nicht schöner und lebenswerter, sondern zu einer Misere macht, in der man schon jeden Morgen die Kollegen nur mit übler Laune begrüßen kann.
Die Motivation muss also von innen heraus kommen und sich stetig selbst erneuern. Das geht nur, wenn man einen Sport findet, der einem gefällt und wenn man seine Ernährungsgewohnheiten Stück für Stück langsam anpasst, um den eigenen Schweinehund nicht zu überfordern und das Positive darin erkennen zu können.
Das wiederum ist völlig unabhängig vom 1. Januar, dem nächsten Monatsersten oder kommendem Montag.
Der beste Moment, dauerhaft etwas an seinem Leben zu ändern, ist genau jetzt!
(Und das nicht, weil zum Zeitpunkt dieses Artikels grad das Jahr angefangen hat)

Ich will jetzt Niemanden dazu bringen, gleich wieder mit seinen Vorsätzen zu brechen – „Markus hat ja geschrieben, dass es jetzt eh nichts bringt“ – vielmehr möchte ich bewusst machen, was nötig ist, damit die anfängliche Motivation zum Dauerbrenner werden kann:

  • Keine 180°-Wendungen der Lebensgewohnheiten
  • Kleine Schritte
  • Sportliche Aktivitäten finden, die allein für sich Spaß machen
  • Akzeptieren, dass nicht immer Alles perfekt läuft und trotzdem so gut wie möglich fortfahren (80/20-Regel)
  • Sich weiterhin Freude am Leben und Genuss gestatten

Viel Erfolg!

Mythos #2 – Durch Sport nimmt man ab

Verschiedene Studien haben belegt, dass sportliche Aktivität in einem normalen Rahmen und ohne Änderung der Ernährungsgewohnheiten keinen signifikanten Gewichtsverlust provoziert.
Wenn man sich näher betrachtet, wieviel Energie durch z.B. eine Stunde Joggen verbraucht wird, wird auch schnell klar, dass das nicht funktionieren kann. Schon gar nicht, wenn die Psyche einem ein gutes Gewissen souffliert und man sich aufgrunddessen etwas extra gönnt. Beispiel:

Wer durch eine Stunde Joggen das Energieäquivalent von ungefähr drei(!) Schoko-Keksen abläuft und sich nach dem Training dafür mit einem großen Stück Sahnetorte belohnt, bewegt sich mit seiner Kalorien-Bilanz in die falsche Richtung und läuft sogar Gefahr, auf diese Weise dick zu werden, ein Phänomen, das auch Ernährungs-Comedian Patric Heizmann sehr anschaulich beschreibt.

„Aber wenn man sich Sportler anschaut, die sind doch alle schlank und austrainiert und können essen was sie wollen!?!“
Jaein. Zunächst einmal handelt es sich bei den Sportlern, auf die Bezug genommen wird, in der Regel um Leistungssportler und auch darunter gibt es welche, die nicht unbedingt immer wie Adonis aussehen (hat sich schon mal Jemand Judoka und Gewichtheber im Schwergewicht oder gar Sumo-Ringer angeschaut?).
Dass aber Profis, wie z.B. Michael Phelps sich damit brüsten können, sich mit Junk Food und rund 5.000 Kalorien täglich(!) vollzustopfen, liegt ganz einfach daran, dass sie eben nicht das Trainings-Regime eines Normalsterblichen verfolgen. Diese Athleten trainieren teilweise mehrmals täglich und erreichen auf diese Weise natürlich einen stark erhöhten Verbrauch. Hinzukommt, dass die Intensität ihrer Trainingseinheiten den gesamten Stoffwechsel dauerhaft auf Hochtouren hält. Die Muskulatur ist so hungrig nach Energie, dass jegliche Kalorie, bevor sie überhaupt die Chance hat, einen Insulin-Ausstoß zu provozieren, direkt aus dem Blutkreislauf absorbiert wird.
Bei Ausdauersportlern wie Marathon-Läufern und Triathleten greift noch ein weiterer Mechanismus: die Adaptation. Der menschliche Körper ist ein sehr ökonomischer Organismus und er passt sich infolgedessen den Anforderungen und Belastungen an, denen er ausgesetzt wird. Bei einer Langzeitausdaueraktivität ist jedes Gramm Körpergewicht hinderlich, zum Einen, weil es zusätzliche Energie kostet, zum Anderen, weil es auch erhöhte Last für die Gelenke bedeutet. Der Körper passt sich also den Belastungen beim Marathon an und macht sich im wahrsten Sinne des Sprichwortes dünn, um möglichst effizient zu sein. Die Energiebilanz spielt in diesem Zusammenhang eine untergeordnete Rolle.

Wozu dann Sport und was ist mit den ganzen Fat-Burning Kursangeboten?

Die Fitness-Industrie ist ein Business und mit dem Unwissen der Allgemeinheit lässt sich viel Geld verdienen. Von Fitnesskursen allein wird Niemand schlank, meist entstehen durch die aktive Teilnahme jedoch Änderungen in Körperbewusstsein und Selbstwahrnehmung, die dazu führen, dass die Sportler zeitgleich auch ihre Ernährung optimieren. Die Kombination aus Sport und guter Nahrung ist sehr effektiv für das Ziel der Gewichtsabnahme.
Sport an und für sich ist zudem einfach enorm gut für die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden. Und die durch den Sport angeregten Anpassungen im Organismus begünstigen bei entsprechend ausgerichtetem Essensplan einen erhöhten Energieverbrauch und Körperfettabbau. Ohne die Ernährung aber geht es nicht.

Ich hoffe, dazu beitragen zu können, einige Mythen abzubauen. Es wäre schön, wenn du mir dabei hilfst. Wenn dir meine Artikel gefallen, empfiehl mich doch bitte weiter z.B. durch Links auf meine Seite oder indem du auf meiner facebook-Seite auf „Gefällt mir“ klickst.
Vielen Dank!

Train Hard!

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