Im Test: Laufausrüstung von Tchibo

Eines vorweg: ich bin nicht gerade das, was man einen passionierten Läufer nennen würde. Wenn ich laufe, dann nicht zum Selbstzweck, sondern weil es in meinem jeweiligen Trainingsplan einen Sinn hat. Von daher unterscheiden sich meine Ansprüche wohl zumindest teilweise von denen eines begeisterten Läufers.

Men´s Health Urbanathlon 2012 FinisherWarum also Laufausrüstung testen, wenn man eigentlich kein Läufer ist?
Nun, nachdem ich beim diesjährigen Men´s Health Urbanathlon praktisch ohne jede Vorbereitung gestartet bin – ein Bekannter musste seinen Startplatz eine Woche vor dem Rennen wegen Knieproblemen freigeben und ich bin eingesprungen – und weil eine mögliche Teilnahme an besagtem Urbanathlon im nächsten Jahr im Raum steht, habe ich vor, zumindest gelegentlich, auf dem Laufenden zu bleiben (oha, was´n Wortspiel!).
Weil ich für den ein oder anderen Lauf nicht gleich mehrere hundert Euro ausgeben wollte, entschied ich mich also für die günstige Alternative von Tchibo.

Günstig UND Gut?

Bei den vergleichsweise geringen Preisen für die Kleidung des Kaffeerösters ist natürlich eine gesunde Skepsis angebracht. Kann man für so wenig Geld tatsächlich Qualität erwarten?
Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu, die Temperaturen fallen und das Wetter wird rauer. Von daher passt es schon einmal ganz gut, dass die aktuelle Tchibo Kollektion größtenteils Thermo-Laufkleidung offeriert.

Auspacken und erster Eindruck

Bei dem Preis prüfe ich natürlich direkt die Verarbeitungs- und Materialqualität. Beim Auspacken des Thermo-Laufshirts grinst mich sofort ein kleiner Ziehfaden unter der Achselhöhle an, die Nähte sehen aber ansonsten solide aus. Der Tragekomfort ist hoch und in der kleinen Rückentasche ist Platz für Handy, Schlüssel oder MP3-Player – viel mehr muss man zum Laufen ja auch nicht mitnehmen.
Zipper?Bezüglich der Tasche bildet sich allerdings ein kleines Fragezeichen über meinem Kopf, als ich mir die Thermo-Lauftight betrachte. Während der Reißverschluss des Shirts von links nach rechts zu öffnen ist, verhält es sich mit dem Zipper der Hose genau andersherum. Möglich, dass es dafür einen Grund gibt, der sich mir bisher nicht erschließt, vielleicht kann ja einer der Läufer unter den Lesern etwas Erhellendes dazu sagen. Auch die Lauftight trägt sich sehr bequem.

Pulsuhr "Finger Touch"Mein schwerer Chronograph ist beim Laufen eher störend, also habe ich mir auch die Pulsmessuhr „Finger Touch“ gegönnt. Die gewinnt zwar sicher keinen Schönheitspreis, aber ich will damit ja auch nicht zu einer Hochzeit erscheinen. Im Gegensatz zum ebenfalls angebotenen GPS-Pulscomputer – sicher auch ein cooles Tool – hat diese Uhr keinen Brustgurt, was für mich ein Vorteil ist, da ich mich mit diesen bisher noch nicht anfreunden konnte. Die Finger Touch misst den Fingerpuls bei Berührung und bietet Standardfunktionen wie etwa Stoppuhr, Countdown und Rundenzeitmessung.

Reflexstreifen und NeonDie Kleidungsstücke sind von kleineren Ausnahmen abgesehen fast durchgehend in schwarz gehalten. Ein paar Neon-Applikationen und einige Reflex-Streifen hier und da lassen mich zweifeln, ob man damit gut genug gesehen werden kann.
Aber halt! Tchibo sieht das offenbar genauso und bietet deshalb eine ganze Reihe zusätzlicher Stücke wie z.B. den stylishen Signalgurt für mehr Sicherheit an. Da ich ohnehin nicht im Straßenverkehr laufen will und das nahe gelegene Naturschutzgebiet ein viel attraktiveres Ambiente bietet, habe ich allerdings auf ein zusätzliches Sicherheitspaket verzichtet.

Ab nach draußen

Jetzt also der Härtetest. Noch sind die Temperaturen so gerade eben zweistellig. Bei etwa 12° Celsius entscheide ich mich dafür, die Sport-Unterwäsche und darüber nur das Laufshirt und die Lauftight anzuziehen – wollen doch mal sehen, wie gut die Temperatur-Regulierung funktioniert.
Musik an und los geht´s.
sehr leichte LaufschuheAls erstes fällt mir besonders positiv auf, wie leicht die Laufschuhe sind. Meine Füße haben darin einen guten Halt und es scheuert und drückt nichts – ein großer Pluspunkt im Vergleich zu meinen alten Tretern.
Nach den ersten Minuten bin ich auf Betriebstemperatur. Zeit, mal in sich hineinzufühlen. Die Temperatur ist genau richtig und das will bei mir was heißen, normalerweise neige ich nämlich beim Laufen schnell zu übermäßigem Hitzegefühl. Selbst meine Füße, denen in der Regel viel zu warm wird, fühlen sich in den High-Performance-Laufsocken gut aufgehoben. So macht das wirklich Spaß. Ich bin mir übrigens sicher, dass ich auch noch bei ein paar Grad weniger mit dieser Kombination ein angenehmes Körperklima aufrechterhalten kann. Die Thermo-Laufjacke kann also erstmal im Schrank hängen, bis es deutlich kälter wird. Gut für Läufer, denen auch Schnee und Eis nicht den Spaß verderben können.
Mal die Pulsuhr ausprobieren. OK, hier gibt es ein paar Punktabzüge. Da ich im Dunkeln laufe, muss ich natürlich die Hintergrundbeleuchtung der Uhr einschalten, um etwas zu sehen, während ich dann den Daumen zur Pulsmessung auf den Metallring drücke, geht das Licht aber schon wieder aus. Ich kann mir zwar mit einem Klammergriff helfen, bei dem mein Zeigefinger den Lichtknopf gedrückt hält und der Daumen weiterhin auf dem Metallring ruht, aber es wäre wünschenswert, wenn die Beleuchtung so lange anbleibt, wie die Messung dauert, damit auch das Ergebnis noch gesehen werden kann.
Ein leises Piepen lenkt erneut meine Aufmerksamkeit auf die Uhr. Ich habe gerade eigentlich keinen Knopf gedrückt, dennoch hat die Uhr einen Messwert ermittelt. Was ist da los? Die Uhr scheint bei Kontakt offensichtlich auf die Feuchtigkeit meines Ärmels zu reagieren und daraufhin eine Messung zu starten. Dieser Verdacht erhärtet sich, als diese gelegentlichen Messungen aufhören, sobald ich die Uhr daheim getrocknet habe. Man sollte sie also wohl über dem Ärmel tragen.
Ein paar Sprints, etwas Schattenboxen und einige Dehnübungen später bin ich vom Tragekomfort noch immer sehr angetan. Vielleicht wird ja doch noch ein richtiger Läufer aus mir? Naaaa, das wohl grad nicht, aber aufgrund dieser positiven Erfahrung, werde ich zukünftig freiwillig etwas häufiger die Laufschuhe schnüren und nicht nur dann, wenn es für mein Training sein muss.

Fazit

Zwar kann ich logischerweise zum jetzigen Zeitpunkt zu Haltbarkeit und Langlebigkeit der einzelnen Kleidungsstücke noch nichts sagen, der erste Eindruck fällt aber durchweg positiv aus. Trotz der erwähnten kleineren Schwächen, scheint die Verarbeitung ordentlich zu sein. Man darf bei allem Anspruch ja auch nicht aus den Augen verlieren, dass die Ausrüstung von Tchibo zum Bruchteil der Kosten einer Markenbekleidung erhältlich ist und dafür halten sich die Minuspunkte doch sehr in Grenzen.
Ich kann nicht für die echten Cracks unter den Runnern sprechen, aber für Gelegenheitsläufer wie mich sind die Sachen definitiv eine Möglichkeit, günstig in den Genuss der Vorteile einer echten Laufausrüstung gegenüber einfachen Shorts und T-Shirt zu kommen. Anfänger können damit ohne große Investitionen feststellen, ob sie soviel Freude am Laufen haben, dass sich die spätere Anschaffung einer teureren Markenausrüstung lohnt.

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